Neue Er/fahr/ungen

Proberunde vorm Neuen Rathaus: Norbert Fettback steigt am 30. Juli in Hannover aufs Rennrad um – zu seinem ersten Wettkampf in dieser Sportart. Foto: Axel HeiseOb es wohl gut ausgeht? Ein paar Tage noch, dann wird es ernst. Am 30. Juli startet das ProAm-Jedermannrennen in Hannover – 114 Kilometer durch das südliche Umland stehen an. Routinierte Radsportler bewältigen so etwas mit links. Oder auf einer A…backe, wie der Volksmund sagt. Aber einer wie ich, der sich bislang nur bei Laufwettkämpfen versucht hat? Das bevorstehende Debüt hat beim Neuling im Vorfeld manche Frage aufgeworfen – und im Rennradsattel für neue Erfahrungen gesorgt, was wörtlich genommen werden kann. Was haben die vergangenen Wochen denn so gebracht beim Wechsel der Sportart?

Die Suche nach der Form: Allein strampeln, zu zweit oder aber in einer größeren Gruppe? Nichts davon ist unversucht geblieben, man kennt das ja auch vom Laufen. Und alles hat Vor- und Nachteile. Eines war auf jeden Fall positiv: das Rad bei sogenannten RTFs an den Start zu schieben. Kurz zur Erklärung: Eine Radtourenfahrt ist ein breitensportliches Angebot von Vereinen, mit unterschiedlichen Streckenlängen zwischen 45 und nahezu 200 Kilometern. Die Zeit, die man dafür braucht, taucht in keiner Liste auf, die zurückzulegende Distanz kann unterwegs kurzentschlossen sogar nach eigenem Gusto variiert werden. Das hält den Leistungsdruck auf unterem Pegel – gut so, gerade für einen Neueinsteiger. Laatzen, Bad Salzdetfurth, Altwarmbüchen, Borsum und jüngst Hannover: So hießen meine Start- und Zielpunkte. Gebracht haben diese RTFs in jedem Fall etwas.

Die Zwischenbilanz: Rechnerisch sind bei den fünf RTFs allein rund 320 Trainingskilometer zusammengekommen. In sich hatte es Bad Salzdetfurth mit einem Streckenprofil, das den nahe gelegenen Harz erahnen ließ. Wer am 30. Juli den Nienstedter Pass hoch muss, dem kann das nur recht sein. Anders in Borsum: Ehe es dort bergiger wurde, war die Ausfahrt schon zu Ende: wegen zweier Reifenpannen bei Kilometer 30 kurz nacheinander. Den Schlauchwechsel zu trainieren, stand eigentlich nicht auf dem Programm. Schadet einem Laien aber auch nicht. Doch wer hat schon zweimal Ersatz dabei? Es half nichts: Nach dem Anruf bei der Vereins-Notfallnummer kam Hilfe auf vier Rädern. Im Klein-Laster zurück nach Borsum – der Besenwagen ließ schon mal grüßen. Wiederholung: bitte nicht. In Altwarmbüchen war die Strecke kürzer als geplant: einen Richtungspfeil zum Rechtsabbiegen in Hänigsen übersehen, und schon fehlten am Ende zehn Kilometer. Schließlich die RTF von Concordia Hannover mit Start und Ziel am Neuen Rathaus. Ein guter Vorgeschmack auf den 30. Juli, dann ist hier ja wieder Treffpunkt und noch einiges mehr los.

Alles im Griff beim Jedermannrennen? Foto: Axel Heise

Die Ausrüstung: Auf der Radstrecke, speziell bei einer RTF, kommt man mitunter ins Staunen. Da ist man flott im 35er-Schnitt unterwegs – und wird von einem Tandem (ohne Elektroantrieb und mit einer zierlichen Frau auf dem Rücksitz!) regelrecht stehen gelassen. Auch in die Jahre gekommene Cityräder ohne jegliche sportliche Note hindern nicht an schnellem Fahren, das ist ebenfalls dann und wann bei RTFs zu sehen. Ich hoffe, dass meinem Giant-Rennrad am 30. Juli nicht erneut die Luft ausgeht. Die jüngste Panne in Borsum war Anlass, bei der Reifenwahl lokalpatriotisch zu handeln. Bislang mit Erfolg.

Die Mitfahrer: Ein Jedermannrennen scheint so manchen Läufer zu interessieren. Beim Blick in die Starterliste für den ProAm-Wettbewerb am 30. Juli stößt man auf etliche bekannte Namen aus der Region, Frauen wie Männer. Der LAC Langenhagen ist gleich im halben Dutzend vertreten; und auch von Mandy Krause und Sabine Meier weiß man, dass sie zu Fuß schnell unterwegs sind. Jetzt sollen es für beide 114 Kilometer werden – auf dem Rad. Und das hat wohl nicht nur mit dem Sommerloch in der Laufszene zu tun.

Die Aussichten: Irgendwie werde ich hoffentlich ankommen – dass der Rücken, meine Schwachstelle der vergangenen Monate, sich in Hinblick auf den 30. Juli jüngst wieder in Verweigerungshaltung begeben hat, muss für rund vier Stunden im Sattel dann halt ausgeblendet werden. 114 Kilometer am Stück bin ich auf dem Rad bislang auch noch nicht gefahren. Aber welcher Marathoni läuft im Vorfeld eines Wettkampfes auch schon 42 Kilometer? Das wäre gegen jede Trainingstheorie! Lassen wir es drauf ankommen.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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