Neue Bücher übers Laufen

Sieger über sich selbst

Es hat zweifellos dieser Erfahrung bedurft, um dieses Buch zu schreiben: eines, das von stolzen Triumphen berichtet, vor allem aber vom Sieg über sich selbst. Gary Dudney, in den USA bekannt als Kolumnist und als Läufer, der mehr als 200 Marathon- und Ultramarathonrennen beendet hat, macht sein Scheitern beim berühmt-berüchtigten Leadville Trail zum Ausgangspunkt jener Überlegungen, die ihn stark werden ließen im Kampf gegen die zahlreichen Widrigkeiten extremer Herausforderungen. Nach 90 der insgesamt 100 Meilen (das sind rund 160 Kilometer) gab Dudney im Jahr 2002 bei seinem Debüt in den Rocky Mountains auf. Bis auf 3000 Meter in der Höhe hatte er sich zuvor zu Fuß heraufgequält, hatte versucht, auch in der Einsamkeit der Nacht dem Gebirge und der Kälte zu trotzen. Letztlich fragte er sich, desillusioniert und von Krämpfen geplagt im Auto sitzend: Warum mache ich das?

Die Antwort darauf gab sich Dudney im dritten Anlauf in Leadville, nach dem er die ersehnte silberne Gürtelschnalle im Ziel endlich in seinen Händen hielt. Für ihn das Ergebnis einer langen Reise zu sich selbst. Anderen, und dies nicht nur Ultraläufern, vermittelt er Denkanstöße, das Laufen auch mal aus einer spirituell geprägten Perspektive zu betrachten und aus seinen Fehlern und Erfahrungen zu lernen. Herausgekommen ist dabei ein „Buch über die mentale Seite des Laufens“, wie Dudney sagt. Es ist auch ein etwas anderer Ratgeber für Sportler, die darauf aus sind, sich und ihr liebstes Hobby zu hinterfragen. Wer also nach Trainingsplänen für 42 Kilometer oder mehr sucht, um die eigene Physis zu stärken, der wird hier garantiert nicht fündig.

Dem Autor ist anderes wichtiger. Ihm geht es um Geduld und Entschlossenheit, um Leidenschaft, Achtsamkeit und Entspannung. Darum, auch in den schwierigsten Momenten, etwa wenn die Schmerzen unerträglich zu sein scheinen, positiv zu denken und nicht aufzugeben. Eine zentrale Botschaft lautet dabei: Konzentriere dich auf den Weg, nicht so sehr auf das Ziel. Den philosophischen Ansatz dahinter deutet bereits der Buchtitel „Das Tao des Laufens“ an. „Mein Körper war am Ende“, schreibt Dudney nach einem seiner vielen Läufe, „doch mein Wille war ungebrochen.“

Gary Dudney: „Das Tao des Laufens. Wie ich durch Laufen zu einem glücklichen und leidenschaftlichen Menschen wurde.“ Meyer & Meyer Verlag, 312 Seiten, 16,95 Euro.

Die richtige Karte zur Hand

Er war über Jahre erfolgreich als Triathlet vor allem auf der Langdistanz unterwegs und hat dabei von seinen Stärken beim Laufen profitiert. Jetzt will Nils Goerke zeigen, dass ihm auch die kurzen Passagen liegen. Gerade mal 27 Doppelseiten umfasst sein Leitfaden „Schnell und effizient laufen“. Da ist man von anderen Autoren ganz andere Umfänge gewohnt.

Die spannende Frage lautet, ob in dem Fall in der Kürze die Würze liegt. Und ob die Form stimmt. Das Ganze erinnert ein wenig an einen Schnellkurs, um im Laufsport Fuß zu fassen. Goerkes Tipps, mit denen er bewusst „neue Reize setzen“ will, sind auf doppelseitig bedruckten Karten im A3-Format zu finden. Thematisch sind diese, dem Schwierigkeitsgrad und den Anforderungen entsprechend, in Grün, Gelb und Rot gehalten. Einsteiger, fortgeschrittener oder erfahrener Läufer – jeder kann sich danach seinen eigenen Mix zusammenstellen und so zu seinem eigenen Trainer werden. Ob Acht-Sekunden-Sprints, Hügelläufe oder 2000-Meter-Intervalle: Auf jeder Karte ist abschließend vermerkt, zu was die jeweilige Einheit gut ist – mehr Grundschnelligkeit, mehr Tempohärte, mehr Ausdauer. Das ist durchaus griffig und sinnvoll. Goerke weiß, was Läufern nützt.

Nicht so recht erschließt sich hingegen, warum das Karten-Format gewählt worden ist. Der Verlag hat damit bei anderen Publikationen, wie etwa von Manuela Dierkes, durchaus praktisch agiert: Bei Athletikübungen daheim oder im Studio ist es von Vorteil, die jeweilige Anleitung zur Hand zu haben. Wer aber nimmt zum Fahrtspiel oder zu einem langen Lauf mit Tempowechseln schon bedrucktes Papier mit auf die Strecke? Auf einer Reise, bei der ein Buch im Gepäck zu schwer wäre, ist das schon etwas anderes.

Nils Goerke: „Schnell und effizient laufen: Die 20 besten Einheiten für Läufer und Triathleten“, spomedis Verlag, 27 Karten im Schuber, 17,95 Euro.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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