Auch auf die Schuhe kommt es an

Foto: Maike Kaschorek

Es ist die Zeit gekommen für die ganz Harten. Man schaue in Helstorf oder an der Marienburg vorbei: jüngst Schauplätze von Laufwettbewerben der etwas anderen Kategorie. Hier musste man nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch Nehmerqualitäten zeigen – im Kampf gegen Kälte, Wind, Schlamm und Höhenmeter. Der November ist die Zeit, in der man es dem inneren Schweinehund mal so richtig zeigen kann. Und der Monat, in dem die Waschmaschine nach einem Lauf unter freien Himmel viel mehr als sonst zu tun bekommt.

Bei der 35. und wohl letzten Auflage des Helstorfer Heidelaufes – der über all die Jahre nimmermüde Organisator Claus Horn (73) hat seinen Rückzug erklärt – trotzten immerhin 220 Sportler den äußeren Unbilden. Beim Cross über 9,2 Kilometer, dem längsten Lauf des Tages, nahmen 39 Frauen und Männer dabei auch den Kampf um Punkte für das HAZ-Ranking auf. Hinter dem Hamburger Sieger Christoph Deppe platzierten sich der Wunstorfer Robin Eckert und Jörg Kleinholz-Mewes aus Hannover auf den nächsten Plätzen. Schnellste Frau war die für die SG Bredenbeck startende Sabine Meier vor Hannelore Lyda (LAC Langenhagen) und Kerstin Klippel-Westphal aus Burgwedel – drei Sportlerinnen also, die im HAZ-Ranking weit vorne mitmischen.

Nur“ um Ruhm und Ehre und nicht um Ranking-Punkte, vor allem aber um ein möglichst schönes Erlebnis ging es den Startern beim 5. Schloss-Marienburg-Marathon. Das Wetter machte Organisator Heinrich Schütte, der im Vorfeld Jahr für Jahr den vielen Startwünschen für das zahlenmäßig limitierte Feld über die 42 Kilometer und den Halbmarathon gar nicht gerecht werden kann, einen Strich durch die Rechnung. Mehr als 130 Startnummern blieben liegen, weil die Läufer zu Hause geblieben waren, statt sich über Stock und Stein und total matschige Wald- und Feldwegpassagen zu quälen.

Die anderen hatten dennoch ihren Spaß – und einige außer total verdreckten Laufklamotten am Ende auch etwas vorzuweisen. Zum Beispiel einen neuen Streckenrekord durch die Hannoveraner Raoul Jankowski (2:49 Stunden) und Sabrina Jaeger (3:22) im Marathonwettbewerb. Was angesichts der Widrigkeiten auf dem zweimal zu absolvierenden Rundkurs besonders bemerkenswert ist.

Ein Jankowski aus Hannover trug sich im Halbmarathon in die Siegerliste ein. Christof, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Marathonsieger, siegte nach 1:21 Stunden und einem souveränen Auftritt. Und er schämte sich auch nicht gelegentlicher Gehpassagen vor allem dort, wo es – wie an der Marienburg – besonders tückisch war. Ende gut, alles gut für Christof Jankowski, der die richtige Schuhtaktik für diesen Tag gewählt hatte. Manuel Seidl aus Stuttgart, der eine Zeitlang führte, hatte die Trailvariante bevorzugt – sein Widersacher aus Hannover hingegen seine Lieblings-Straßenlaufschuhe an den Füßen. Nach zehn Kilometern, als es flacher wurde und Asphalt statt Schlamm dominierte, zog Jankowski vorbei und lief dann ein „einsames Rennen“, wie er berichtete. Gut eineinhalb Minuten trennten ihn im Ziel in Adensen vom Stuttgarter.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen – auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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