HAZ-Vorbereitungsgruppe: Es läuft nach Plan

Nach Trainingsplan ans Ziel: Annika Heinrich, Markus Pingpank und Henning Wilke. Foto: Fettback

Seit dem vorigen Herbst hat Henning Wilke ein Problem, das es so vorher nicht gab. Keines, das man nicht ausräumen kann – das familiär aber „schon zu Terminkonflikten führt“, wie der 30-Jährige sagt. Wenn ihn seine Frau fragt, was man nach der Arbeit oder am Sonnabend zusammen unternehmen könne, macht sich bei ihm neuerdings eine gewisse Verlegenheit breit. Sich wiederholende, um Verständnis bittende Antworten wie „Ich muss laufen gehen“ oder „Um 9 Uhr ist doch wieder die HAZ-Gruppe an der Reihe“ inklusive. Hilft ja nichts: Der Garbsener hat ein Ziel, das er mit Konsequenz angeht.Und das erstmals nach Plan.

Der 8. April 2018 – auf dieses Datum ist ein großer Teil seiner Freizeit ausgerichtet. Zumindest dreimal in der Woche zieht Wilke seit Oktober seine Laufschuhe an. Vorher ist er nur „nach Lust und Laune“ gelaufen, wie er sagt. Und nie bei Regen, nie bei Dunkelheit oder wenn es draußen heiß war. So jemanden nennt man einen Schönwetterläufer. Bei seinem ersten (und bislang einzigen) Halbmarathon hat er sich 2016 in Hannover ins Ziel gequält – in einer Zeit knapp unter zwei Stunden. „Ab Kilometer 15 tat mir alles weh“, sagt er. Damals zahlte er Lehrgeld für eine schlechte Vorbereitung. Abgehakt.

Jetzt weiß er, wie es besser laufen könnte. Denn Wilke hat einen speziellen Trainingsplan, und er hat die von Trainer Markus Pingpank geleitete HAZ-Vorbereitungsgruppe. „Schuld“ ist eine Patientin, die der Fußpfleger aus seiner Praxis kennt und die selbst eine begeisterte Läuferin ist. „Eiere nicht rum“, habe sie ihm gesagt, „melde dich endlich an.“ Seitdem ist einiges anders geworden. Nicht nur, dass Wilke sich eine Stirnlampe zugelegt hat, um auch im Dunkeln laufen gehen zu können. Er merkt längst die Fortschritte, wenn man sich in sportlichen Dingen nicht allein vom Bauchgefühl leiten lässt. „Meine Laufuhr zeigt mir fast jedes Mal einen neuen persönlichen Rekord an“, berichtet er. Vor Kurzem ist er mit den anderen aus der HAZ-Gruppe erstmals 19 Kilometer am Stück gelaufen. „Ein Brett“, wie er meint.

„Ich will nur eins: den Marathon schaffen“

Obwohl er dann beim Halbmarathon fast im Ziel wäre, soll es das nicht gewesen sein. Weil es so gut vorangeht und ihn die Gruppenmitglieder ermuntert hätten, will Wilke mehr. Am 8. April statt 21 nun 42 Kilometer: So lautet seit Dezember sein neuer Plan. „Das gehe ich mit großem Respekt an“, sagt er – die Zielzeit sei ihm egal. „Ich will nur eins: den Marathon schaffen.“

Markus Pingpank empfiehlt allen, die ein bestimmtes Leistungsziel erreichen wollen, ihr Training entsprechend aufzubauen. „Wer beim Halbmarathon oder Marathon gut durchkommen will, braucht ein strukturiertes Training“, sagt er. Wie Wilke hat Pingpank allen Teilnehmern der HAZ-Laufgruppe einen Rahmenplan an die Hand gegeben, den sie ihren Bedürfnissen und zeitlichen Möglichkeiten anpassen können. Egal, ob drei, vier oder fünf Einheiten pro Woche dabei herauskommen: Wichtig vor allem in der Marathonvorbereitung sind die langen Läufe, deren Umfang sich nach und nach auf bis zu rund drei Stunden erhöht – an den Wochenenden in der Gruppe fallen sie in der Regel leichter. In jedem Fall soll das Pensum nur so allmählich gesteigert werden, dass Muskeln, Sehnen und Gelenke sich in Ruhe an die wachsende Belastung anpassen können.

„Jetzt fehlen nur noch sieben Kilometer“

Ähnliches gilt für die kürzeren, spritzigen Einheiten, die meist einmal die Woche auf dem Programm stehen. „Davon habe ich schon sehr profitiert“, sagt HAZ-Läuferin Annika Heinrich. Bevor die 32-Jährige aus der Südstadt sich im Oktober der Vorbereitungsgruppe anschloss, war sie nur unregelmäßig und nur kurze Strecken gejoggt, zuletzt ungefähr einmal im Monat vier Kilometer. „Inzwischen bin ich längst nicht mehr so schnell am Limit“, erzählt die Groß- und Außenhandelskauffrau mit berechtigtem Stolz. „Ich habe gelernt, meine Kraft einzuteilen.“ Mit der HAZ-Gruppe ist sie am vergangenen Wochenende zum ersten Mal zwei Runden um den Maschsee gelaufen, machte insgesamt 14 Kilometer. Der Halbmarathon, den sie am 8.April in Hannover absolvieren will, sei ihr noch vor wenigen Wochen wie eine riesige Distanz vorgekommen, erinnert sie sich. „Jetzt fehlen nur noch sieben Kilometer.“ Das habe sie nicht zuletzt Pingpanks Trainingsplan zu verdanken, meint Annika Heinrich. Er helfe ihr, sich abends nach der Arbeit und den Erledigungen im Haushalt noch zum Laufen aufzuraffen.

Die Freude am Laufen verbindet Annika Heinrich im Übrigen mit ihrem Mann Dennis. Der war schon zweimal bei der HAZ-Vorbereitungsgruppe als Teilnehmer dabei – und führt inzwischen die schnellste der Trainingsgruppen als Tempomacher

Von Norbert Fettback und Gabriele Schulte

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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