HAZ-Laufgruppe: Neustart für Seriensieger Oppermann

„Ich will es nicht mehr übertreiben“: Detlef Oppermann hat mit 65 dazugelernt. Foto: Fettback

Früher hätte es das nicht gegeben. Aber früher war auch vieles anders bei Detlef Oppermann, dem begeisterten Hobbyläufer aus Lehrte. Da hat er so gut wie nichts ausgelassen, war „von Pontius zu Pilatus“ unterwegs gewesen, wie er sagt, um es jährlich auf bis zu 75 Wettkämpfe zu bringen. Dass 2018 schon dreimal Punkte für das HAZ-Ranking verteilt worden sind, ohne dass der 65-Jährige auch nur einmal zu einem dieser Läufe angetreten ist – ein Novum für den früheren Seriensieger.

Die Erklärung, die er dafür hat, wäre ihm früher so nicht in den Sinn gekommen. „Ich versuche vernünftig zu sein und will es nicht mehr übertreiben“, sagt Oppermann, der die regionale „Laufpass“-Serie, in der Schnelligkeit ebenso wie Ausdauer gefragt ist, in seiner Altersklasse von 2012 bis 2016 fünfmal in Folge gewann. Immer mit großem Vorsprung. Für die vielen Pokale findet sich bei ihm zu Hause im einstigen Arbeitszimmer kaum noch Platz. Urkunden unter Glas zeugen von den Erfolgen, auf die der Lehrter besonders stolz ist. Etwa die 38:43 Minuten über zehn Kilometer oder die 18:42 für den „Fünfer“. Gelaufen 2012, da war Oppermann schon 60. Ein ewiger Traum für viele, die halb so alt sind wie er. „Mein bestes Jahr mit tollen Gefühlen“, sagt er rückblickend.

Aus seinen Worten ist etwas Wehmut herauszuhören, geschuldet der Vergänglichkeit sportlicher Leistungsfähigkeit im Alter. Aber auch eine Erkenntnis klingt an, für die es zuvor in seinem Denken keinen Platz gab und die für späte Lernfähigkeit spricht. Oppermann wollte all die Jahre immer mehr, gönnte seinem Körper kaum mal eine Pause, ignorierte Schmerzen. „Fünfmal die Woche habe ich wie ein Besessener trainiert, dazu kam am Wochenende noch ein Wettkampf“, berichtet er. Gut gemeinte Hinweise, doch mal kürzerzutreten, schlug er häufig in den Wind. „Ich habe immer mein eigenes Ding durchgezogen. Heute würde ich das so nicht wieder machen.“

Auch ein Grund, warum sich Oppermann der 85-köpfigen HAZ-Laufgruppe angeschlossen hat. Hier finde er den Spaß und die Struktur für ein „vernünftiges Training“, wie er sagt. Und er halte sich an die Vorgaben von Trainer Markus Pingpank, ohne selbst noch einen draufzusetzen.

Bei seiner Jagd nach Siegen und Bestzeiten musste erst einiges passieren, ehe Oppermann sich eingestand, dass er lange Zeit falschen Ehrgeiz entwickelt hatte. Da war zum einen die – zugegebenermaßen – höchst unglückliche Begegnung mit einem Mountainbike-Fahrer an einem Novembermorgen 2012. Beide prallten in der Dunkelheit frontal aufeinander, Oppermann wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Die bei dem Unfall schwer in Mitleidenschaft gezogene Hüfte schmerzt heute noch. Ebenso wie das rechte Knie, wo sich Arthrose bemerkbar macht, was er lange Zeit ausblendete. Dann immer wieder Verletzungen, die ihren Ausgang im übertriebenen Laufpensum oder in fehlender Präparation hatten, weil es nun mal nicht allein damit getan ist, die passenden Klamotten und Schuhe anzuziehen und loszulaufen. „Lauf-Abc oder Übungen, um sich locker zu machen, gab es bei mir nicht“, sagt Oppermann, der schon im Ruf stand, „untrainierbar“ zu sein. Der aber trotzdem überaus erfolgreich war.

So kam alles zusammen, und das nicht nur einmal. Zuletzt vorigen Herbst beim Rübenlauf in Hiddestorf: Nach sieben Kilometern zerrte er sich den rechten Oberschenkel, lief die restlichen drei Kilometer aber trotzdem weiter. Die Blöße, ausgestiegen zu sein, wollte Oppermann sich nicht geben. Er zahlte dafür mit einem Muskelfaserriss im Hüftbereich. Dumm gelaufen. „Da habe ich endlich begriffen, dass es so nicht weitergehen kann.“

Jetzt also alles wieder auf null? Ein Neustart verbunden mit komplettem Umdenken? Fast. Oppermann sagt, er sei im Prinzip an dem Punkt wie im Jahr 2005, als er aus gesundheitlichen Gründen als übergewichtiger Kettenraucher mit Bluthochdruck mit dem Laufen angefangen habe. Was so nicht ganz stimmt: Statt seinerzeit 85 wiegt er nur noch 62 Kilogramm, spult wöchentlich 40 bis 50 Kilometer ab und hat durchaus anspruchsvolle Pläne. Im Trikot des Post SV Lehrte will er am 8. April beim Halbmarathon in Hannover starten. Immerhin eine deutsche Meisterschaft, auch für den Seniorenbereich. Er traut sich eine Zeit um 1:35 Stunden zu. Was wiederum zu einem Platz unter den besten zehn bei den über 65-Jährigen reichen könnte.

Mit Oppermanns Ehrgeiz ist es also nicht ganz vorbei. Auch wenn er sagt: „Ich habe verstanden, wo es langgeht. Wichtig ist mir, dass ich überhaupt laufen kann.“

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „HAZ-Laufgruppe: Neustart für Seriensieger Oppermann

  1. Richard Klimke

    Hallo Detlef !

    Meine Meinung ist, daß Du den richtigen Weg eingeschlagen hast.
    Und eigentlich brauchst Du auch keinen etwas beweisen. Was Du
    geleistet hast, muß erst einmal jemand nachmachen.
    Weiterhin viel Erfolg bei den zukünftigen Wettkämpfen und ver-
    letzungsfrei durchkommen (das ist sowieso das Wichtigste)

    Dein Laufkumpel (und ehemaliger Sportcupteamleiter)
    Richard

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  2. Ole Haas

    nicht zu 100% das Thema… als Info verstehen 😳 Schmerzen! Aus Spaziergängen wurden leidvolle Fuss-Strapazen!
    Operationen, Ärzte. Nichts half. Eine Frau gab die Hoffnung nie auf. Und fand ihn, – den Schuh, der ihr Leben veränderte! Mehr erfahren>>>
    http://bit.ly/2CgpmAY

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