Hannover-Marathon: Fate Tola ist bereit fürs Laufspektakel

Gilbert Kipruto Kirwa , Stefanie Eichel, Fate Tola und Nicolas Kiefer (v.li.). Foto: Petrow

Nur gut, dass sie am Sonntag nicht singen oder reden muss. Als Fate Tola am Donnerstagabend in Hannover landete, wo sie 8. April ihren Vorjahreserfolg auf der Marathonstrecke wiederholen möchte, fehlte ihr die Stimme. Die hatte sie im Flugzeug gelassen, auf dem Rückflug von Addis Abeba, wo sich die 30-Jährige seit Januar auf ihren ersten Wettkampf des Jahres vorbereitet hatte. Ein Nebeneffekt der Klimaanlage an Bord. Wichtiger ist, dass Tola aus dem Trainingslager offenkundig die nötige Form für eine erneute Klasseleistung mitgebracht hat. Heiserkeit hin oder her. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte sie. „Gucken wir mal.“

Schließlich kommt es im Rennen über die 42,195 Kilometer nicht auf die Stimme, sondern auf die Beine an für die Läuferin, die für Hannover Athletics startet und nur zu gerne den fünf Jahre alten Streckenrekord knacken möchte. Der steht bei 2:27:07 Stunden, Tola hatte ihn 2017 nur knapp verfehlt. Jetzt der nächste Anlauf – außer Ruhm und Ehre sind auch die 3000 Euro Prämie dafür nicht zu verachten. Im Blick haben muss sie dabei wohl besonders die erfahrene Kenianern Agnes Jepkemboi Kiprop (39, Bestzeit 2:23:54) und die junge Äthiopierin Sechale Dalasa Adugna (18, 2:31:21).

Bei den Männern bringt Gilbert Kipruto Kirwa (32, 2:06:14) aus Kenia die beste Vorleistung mit. Sein Landsmann Cheshari Kirui Jacob (33, 2:07:46) kennt Hannover bereits, hat Stadt und Kurs in bester Erinnerung: Er gewann hier vor drei Jahren. Der Pole Henryk Szost (2:07:39) gilt als ein weiterer Kandidat für Sieg und Streckenrekord. Auch bei den Männern hat die Bestmarke fünf Jahre auf dem Buckel (2:08:32). Es wäre an der Zeit für den nächsten Schritt, was dem Ruf des Hannover-Marathons zumindest national guttun würde. Starke deutsche Läufer sind dieses Mal nicht dabei – was diesen und jenen ehrgeizigen Athleten aus der Region zusätzlich anspornen dürfte, sich beim „Heimspiel“ zu beweisen. Mit Nicolas Kiefer, dem früheren Tennisprofi, gibt es einen prominenten Quereinsteiger. 3:45 Stunden sollen es für ihn laut eigener Ankündigung werden – vermutlich dürfte Kiefer, der sich gestern noch letzte Ernährungstipps holte, um einiges schneller sein.

Foto: Fettback

Ordentlich vorgelegt wurde für die 28. Auflage des Hannover-Marathons schon. Neuer Melderekord, bei dem die 25 000er-Marke überschritten wurde und somit forsche Verheißungen der Organisatoren um Stefanie Eichel bestätigt worden sind, eine veränderte Streckenführung hinaus Richtung Groß-Buchholz, die deutsche Meisterschaft im Halbmarathon als weiteres sportliches Highlight, dazu das schon traditionell gute Wetter: Es sieht gut aus für den Sonntag, an dem in Hannover die Läufer regieren werden.

Das freut auch die Verantwortlichen der Landeshauptstadt. OB Stefan Schostok höchstpersönlich wird für die Marathonis um 9 Uhr am Trammplatz den Startschuss geben. Der städtische Eventmanager Ralf Sonnenberg spricht von einer „guten, schnellen Strecke“ und einer „familiären Atmosphäre“. Dass es hier und da aufgrund von Baustellen etwas enger werden dürfte als in Vorjahren – fast geschenkt. In der Lister Edenstraße etwa, die Marathon- und Halbmarathonläufer zusammen passieren und wo sich die vielen große und kleine Zuschauer traditionell in Bestform zeigen, stehen auch Bauzäune Spalier.

Das aber wird am Sonntag überstrahlt. Hannover erwartet ein Spektakel der besonderen Art.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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