Neue Sportbücher (2)

Wie Schmerzen besiegt werden können

Dann gehen wir aus gegebenem Anlass doch gleich mal ans Eingemachte. Die rechte Achillessehne hat sich nach Bergaufläufen vor ein paar Tagen schmerzhaft in Erinnerung gebracht. Was sagt Paul Hobrough dazu? Eine ganze Menge, in dem speziellen Fall auf acht Seiten auf den Punkt gebracht. Mit der (gewiss nicht neuen) Erkenntnis, die ein Läufer gar nicht gern hört: Das wird dauern. Trotzdem bleiben wir dran, der Mann weiß schließlich, wovon er schreibt. Und das nicht nur in der lesenswerten Passage über Achillessehnenbeschwerden und ihre Heilung.

Hobrough ist seit 20 Jahren Physiotherapeut, wärmstens empfohlen vom früheren Mittelstrecken-Ass Steve Cram oder von Mo Farah. Was nicht heißt, dass sich der Brite mit seinem Buch die Spitzensportler als Klientel ausgesucht hat: Er hat die breite Masse im Blick, ihr möchte er unter anderem dabei helfen, eine erste Selbstdiagnose zu stellen und das zu tun, was vor dem ersten Termin beim Physiotherapeuten ratsam erscheint. Alles unter der großen Überschrift: Was sollte ich bei einer Verletzung beherzigen? Der Brite arbeitet sich dabei vor vom Fuß bis zum Rücken hoch und hält sich in den einzelnen Kapiteln an die gleichen formalen Muster. Das macht es dem Leser leichter. Was ist unter der jeweiligen Verletzung zu verstehen, welche Warnsignale treten auf, wo liegen die Ursachen, wie sollte die Verletzung behandelt werden, was kann mal selbst tun, wie kann ein Physiotherapeut helfen und – die für viele wohl spannendste Frage – wann kann ich wieder Sport treiben? Man merkt: Hier schreibt ein Mann der Praxis, der zwar keinen Doktortitel hat, aber jede Menge Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Was nicht fehlt sind gut bebilderte und gut erklärte Übungen. Hinzu kommen Berichte von Patienten, die ihre Leidens- und Heilungsgeschichte schildern. Obendrein gibt es Trainingspläne von 5 Kilometern bis zum Marathon – für Anfänger, Fortgeschrittene und Ambitionierte. Wenn man denn irgendwann wieder fit ist und die Achillessehne nicht länger den Spaßverderber spielt.

Paul Hobrough: „Schmerzfrei laufen“. Delius Klasing Verlag. 208 Seiten, 29,90 Euro.

Endlich wieder gut zu Fuß

Beim Buchtitel stutzt man erst einmal. Er klingt nach flachem Mainstream, wie ihn Zeitschriften a la „Men’s Health“ so gerne pflegen. Geschenkt: Machen wir uns daran, das Problem zu verstehen, dem sich Marco Montanez unter dem Motto „Unfuck your Feet!“ auf lesenswerte Weise in bildreicher Sprache widmet: den Füßen, dem in der Regel am meisten vernachlässigten Körperteil, wie er sagt. Die Menschen hätten „verlernt zu stehen, zu gehen und zu laufen“. Montanez, dem der Ruf als „Deutschlands Barfußexperte“ vorausgeht, gibt Hilfestellungen, diese ureigenen Fähigkeiten nach und nach zurückzugewinnen.

Bei der Laufschuhindustrie mit ihren vermeintlich immer neuen Innovationen macht er sich damit gewiss keine Freunde. Eine Breitseite gilt dem Amerikaner Bill Bowerman, der 1964 den Begriff „Jogging“ prägte und ein paar Jahre später die Firma Nike gründete, die später mit Laufschuhen ein Milliardenimperium begründete. Jogging – wobei das Laufen mit dem Aufsetzen zuerst mit der Ferse vor dem Körperschwerpunkt gemeint ist – bedeute eine „fatale Belastung“ für den Körper, meint Montanez. Und auch die Fivefingers von Vibram, von nicht wenigen im Zuge des Natural-Running-Hypes als Allheilmittel gepriesen, bekommen ihr Fett ab vom Fußexperten. Sie hätten durch die Hütchenkonstruktion eine unnatürliche „Einzelhaft für die kleinen Zehen“ zur Folge. Dabei bringe ein gesunder Fuß doch alle Technologien mit, die man brauche, um ohne Beschwerden zu laufen.

Doch diese Fähigkeiten sind häufig verkümmert – auch weil die Füße, so Montanez, in falsches Schuhwerk gezwängt und mit Einlagen malträtiert würden. Letztlich verspreche nur eins Abhilfe: sich daran zu erinnern, wie es unsere Vorfahren mit dem Laufen hielten, und es ihnen nachzutun. Um die Füße, „das Fundament des Körpers“, entsprechend zu trainieren, enthält das Buch eine Menge von Übungen. Aber auch den wichtigen Hinweis, dass es mitunter Jahre dauern kann, um auf einer gesunden Basis zu stehen, zu gehen und zu laufen.

Marco Montanez: „Unfuck your Feet!. Das Comeback eines vernachlässigten Körperteils.“  Meyer & Meyer Verlag. 192 Seiten, 16,95 Euro.

Befreiungsschlag für Rückengeplagte

Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. In diesem Fall rund acht Jahre. So lange hat es gedauert, bis Ramin Waraghai wieder seinem liebsten Hobby nachgehen konnte: Fußball spielen in einer Mannschaft, und das auf höherem Leistungsniveau, derzeit in der Verbandsliga beim FC Hennigsdorf. 2010 hatte das Sporttreiben im Trikot von Fortuna Köln abrupt ein Ende; Ärzte rieten ihm gar dazu, aufgrund der anhaltenden Rückenbeschwerden die Schuhe für immer an den Nagel zu hängen. Nun aber läuft es(r) wieder. Waraghai, Jahrgang 1985 und im Iran geboren, hat sich mehr oder minder selbst therapiert – und sein dabei gesammeltes Wissen in Buchform zusammengefasst.

„Rücken Fit Challenge“ lautet der Titel des Ratgebers, der für manchen Leidgeplagten eine Art Befreiungsschlag sein könnte. Wenn man denn die nötige Ausdauer und Geduld aufbringt. Das beginnt bei der nicht immer leichten Lektüre des theoretischen Teils des Buches. Und setzt sich fort bei der Sache selbst: Waraghai nennt einen Zeitraum von sechs Wochen mit täglichem Übungsprogramm zunächst als unverzichtbar, wenn man Rückenproblemen vorbeugen beziehungsweise sie nachhaltig lindern möchte. Auch danach heißt es, am Ball zu bleiben und Eigeninitiative zu zeigen. Den Leitfaden dazu gibt es im Buch, und man kann sich aufgrund seiner eigenen Erfahrungen anhand der Tipps ein spezielles Programm selbst zusammenstellen. Was zu tun ist, wird detailliert beschrieben und ist zudem gut bebildert.

Der Sportwissenschaftler geht bei seiner Ursachenforschung und seinen Therapievorschlägen über das hinaus, was die Schulmedizin zu bieten hat. Für seinen „sinnvollen ganzheitlichen Ansatz zur Rückengesundheit“ wird Waraghai im Vorwort von Dr. Robert Schleip, einem namhaften Faszienexperten, sozusagen in die erste Bundesliga befördert. Um im Bild zu bleiben: Jetzt gibt es dazu, wie vor einer neuen Fußball-Saison, das passende Begleitheft.

Ramin Waraghai: „Rücken Fit Challenge. Dein 6-Wochen-Programm für einen nachhaltig gesunden Rücken.“ Meyer & Meyer Verlag., 206 Seiten, 19,95 Euro.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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