Sieg nach langer Leidenszeit

 

Ein Comeback zum Strahlen: Christof Jankowski (l.) und Robin Dörrie nach dem Halbmarathon in Otterndorf.

Manches braucht einen langen Anlauf. Das kann Jahre dauern, und immer wieder gehören in solchen Fällen Rückschläge und Selbstzweifel zu den Begleitern. Was insgeheim auch die Grundsatzfrage aufwirft, ob man es besser nicht ganz sein lassen sollte. Wie bei Christof Jankowski (38) und Robin Dörrie (49). Um beide war es lange still, anhaltendes Verletzungspech und zum Teil unerklärliche Beschwerden hatten ihnen zugesetzt. Nun haben sich die beiden Läufer, die für Hannover 96 starten, zurückgemeldet. Und wie! Bei den Landesmeisterschaften im Halbmarathon in Otterndorf holten sie sich jeweils den Titel in ihrer Altersklasse. Mit Zeiten, die sie selbst überraschten. Jankowski fehlten mit 1:14:17 Stunden lediglich vier Sekunden zu Rang drei in der Gesamtwertung, Dörrie (1:16:34) lag als 13. des Meisterschaftsfeldes nicht weit zurück.

„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Jankowski. „Zumal ich nur zwei Minuten über meiner Bestzeit geblieben bin.“ Die steht bei 1:12:22 und hat längst Staub angesetzt. Denn sie stammt aus dem Jahr 2012. Wenig später machten sich Beschwerden im Gesäßbereich bemerkbar, die den „Laufpass“-Sieger von 2010 immer wieder stoppten. Auch heute ist er noch Stammgast beim Osteopathen; trainieren kann Jankowski längst nicht so, wie er es eigentlich möchte. Ein Halbmarathon ist für ihn das Höchste der Gefühle. An einen Bergmarathon, den er am liebsten laufen würde, ist weiterhin nicht zu denken.

Dass Jankowski jetzt überhaupt am Start war und nach sechs Jahren endlich wieder einen „Halben“ lief, hatte er Dörrie zu verdanken. Der hatte drei Wochen zuvor überraschend angefragt, ob sie sich nicht zusammen auf den Weg in den Norden machen wollen. Gesagt, getan. Auch für Dörrie, dessen Verletzungsgeschichte vor vier Jahren begann und der die „Laufpass“-Serie sogar dreimal in Folge gewann (2011, 2012 und 2013), war das eine Genugtuung. „Ich bin happy, wie es gelaufen ist“, sagte er.

Ein Jahr hatte es gedauert, bis er aufgrund von Knieprobleme zum ersten Mal operiert wurde, es folgte wenig später ein zweiter Eingriff – mit Erfolg. Doch die Hüftschmerzen, eine Folge des Sporttreibens trotz der Kniebeschwerden, sind von Dauer. Unzählige Besuche bei Orthopäden, Osteopathen und Physiotherapeuten blieben wirkungslos. Selbst eine stationäre Reha brachte wenig. „Zumindest kann ich jetzt wieder trainieren“, sagt Dörrie. Doch mehr als ein Halbmarathon – siehe Jankowski – ist nicht drin für ihn.

Mitgebracht aus Otterndorf hat jeder einen Wimpel, der nun einen Ehrenplatz bekommen hat. Denn er kündet auch von einem Sieg über eine lange Leidenszeit. „Die Hoffnung, dass die Schmerzen mal ganz weg sind“, sagt Dörrie, „die habe ich nie aufgegeben.“

Nicht unerwähnt sei: Auch die Allerschnellsten in Otterndorf kamen aus Hannover. Fabian Kuklinkski (VfL Eintracht) siegte in 1:12:08, bei den Frauen war Lena Sommer (Hannover Athletics, 1:20:52) nicht zu bezwingen. Der Ausflug an die Küste lohnte sich somit auch für sie.

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

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