„Laufpass“: Der See muss warten

Los geht’s: Andreas Solter (r.) hat nach dem Start zu den drei Runden um den See schon die Führung übernommen. Foto: Frey

Wie kann man bei solchem Wetter nur auf die Idee kommen, Laufklamotten anzuziehen statt Badesachen? Bis zu 28 Grad Celsius zeigt das Thermometer am Clubhaus bei azurblauem Nachmittagshimmel. Und das Mitte Oktober! Der Altwarmbüchener See gleich nebenan lockt zum erfrischenden Sprung ins Nasse. Von wegen: 251 Läufer und Walker lassen das Gewässer links liegen und schwitzen auf dem von ersten Laub des Herbstes übersäten Rundweg um die Wette. Und haben dabei immer wieder den See im Blick – welch herrliche Alternative. Doch Läufer lassen sich in der Regel nicht beirren. Später vielleicht.

„Solch eine Hitze hatten wir noch nie“, sagt Hartmut Fischer (69) vom TuS Altwarmbüchen. Zum 17. Mal schon hat der Verein zu seinem Lauf eingeladen. Ein Effekt des spät- sommerlichen Hochs: Mit den Temperaturen klettern auch die Nachmeldezahlen nach oben, wie Fischer berichtet. Der Stimmung in den insgesamt fünf Wettbewerben habe das Wetter ebenfalls gutgetan. Gerade zwölf Monate ist es her, da hatte es am Altwarmbüchener See ein anderes Extrem gegeben: Nachdem sich das Sturmtief „Xavier“ als eifriger Baumfäller ausgetobt hatte und die Strecke nicht passierbar war, musste der Lauf abgesagt werden. Ein Sportler berichtet zudem, vor Jahren seien hier auch schon mal große Hagelkörnern vom Himmel gefallen. Wer in Altwarmbüchen läuft, der kann schon was erleben!

Noch ein Pokal für Andreas Solter. Frank Kühlke (l.) war Zweitschnellster über die 10,8 Kilometer. Foto: Norbert Fettback

Damit es hier rund läuft, hat der TuS am Sonnabend 25 Helfer aufgeboten. Da passt fast alles – und sollte es mal wieder so warm werden, dann will man in einer Hinsicht dazulernen: Ein einziger Stand mit Wasser am 3,6 Kilometer langen Rundkurs, der bis zu dreimal absolviert werden musste, war diesmal eindeutig zu wenig. „Das machen wir dann besser“, sagt Fischer.

Im Hauptrennen über drei Runden (10,8 Kilometer) läuft Andreas Solter aus Langenhagen ein einsames Rennen. Wieder mal. Nach 36:42 Minuten ist er im Ziel – fast vier Minuten vor dem Burgdorfer Frank Kühlke (40:22). Noch größer ist Solters Vorsprung mittlerweile im „Laufpass“-Gesamtranking; da holt ihn keiner mehr ein. Bei den Frauen geht es knapper zu: Melina Sophie Wende von der LG Braunschweig braucht 49:47 Minuten, um den See dreimal zu umrunden, die Ronnenbergerin Nadine Klug (50:10) nicht viel länger.

Rauf aufs Treppchen: Nadine Klug lässt ihren Nachwuchs am 2. Platz teilhaben. Melina Sophie Wende und Michaela Rothan (r.) freuen sich über ihren Erfolg. Foto: Norbert Fettback

Wir können sehr zufrieden sein mit dieser Veranstaltung“, sagt Fischer, als der letzte Starter im Ziel ist. Bis auf eine Ausnahme: Auch in diesem Jahr war er an sechs Schulen Klinken putzen, um Kindern Freistarts zu ermöglichen und bei ihnen so den Spaß an der Bewegung zu fördern. Allein die Grundschule Altwarmbüchen, die am Sonnabend mit fast 50 Mädchen und Jungen vertreten ist, hatte die Offerte angenommen. In fünf Fällen aber bekam Fischer die kalte Schulter gezeigt. Und das ausgerechnet für einen Tag mit Hitzerekord.

Erst den Marathon in Chicago, sechs Tage danach Altwarmbüchen: Mike Asche (r.) hat sein Lauf-Comeback in der Heimat gegeben. Blogautor Norbert Fettback gratuliert dem Mann in Gelb. Foto: Frey

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Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

2 Gedanken zu „„Laufpass“: Der See muss warten

  1. Andreas Solter

    Ein wirklich schöner Bericht! Ich finde es auch toll, wie du alles beschreibst und auch die anderen Teilnehmer würdigst!

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