Archiv des Autors: Norbert Fettback

Über Norbert Fettback

Norbert Fettback hat als Sportredakteur der HAZ die Fußballer von Hannover 96 rund 25 Jahre lang durch dick und dünn begleitet. Erst mit 50 entdeckte er für sich selbst das Laufen - auch um mehr als 40 überflüssige Pfunde loszuwerden. Nach der Premiere in New York (2005) absolvierte er Marathons unter anderem in Berlin, Chicago, Wien und Boston. Aufgrund diverser Verletzungen hat er sich bei der Wahl der Streckenlänge inzwischen mit dem Motto angefreundet: je kürzer desto besser.

„Laufpass“: Im Lönspark fallen die Rekorde (mit Ranking Nr. 37)


Nur noch Sekunden bis zum Start: Gleich gehen die Zehn-Kilometer-Läufer auf die Strecke. Foto: Beate Schneider-Bach

Da hat sich der Abstecher nach Hannover ja gelohnt. Zweimal ist Philipp Reinhardt aus Thüringen am Sonntag beim Lauf im Lönspark angetreten. Und zweimal hat der 24 Jahre alte Student, der für den LC Jena startet, gegen starke Konkurrenz gewonnen – jedes Mal war er dabei so schnell wie hier kein anderer zuvor. Mehr geht nicht! Erst holte sich Reinhardt in 15:36 Minuten den Sieg über die fünf Kilometer, eine gute Stunde später löschte er auf der doppelt so langen Distanz in 31:07 Minuten den bisherigen Streckenrekord von Karsten Meier (31:22) aus.

Es ist gelaufen: Fachsimpeln nach dem Zieleinlauf. Foto: Norbert Fettback

Wie gut der Auftritt des Jenaers bei der 42. Auflage dieses Wettbewerbs war, wird auch daran deutlich, dass der gewiss nicht schlechte Haftom Weldaj (TSV Pattensen) als Zweiter in 32:30 und damit mit gehörigem Abstand das Ziel erreichte. Mitte Oktober hatte Weldaj beim „The Great 10k“ in Berlin Reinhardt über die zehn Kilometer in erstklassigen 29:58 Minuten noch um 20 Sekunden distanziert. Jetzt folgte die Revanche des Jenaer Mittelstrecklers.

Das Männer-Podium: Philipp Reinhardt (M.) siegte über die zehn Kilometer vor Haftom Weldaj und dem Berliner Carsten Krüger (r.). Foto: Norbert Fettback

Im Lönspark, der sich bei 13 Grad Celsius im schönsten Herbst-Look präsentierte, fiel mit den Blättern noch ein weiterer Rekord. Stolz konnte Gerald Schneider vom TK Hannover von 1116 Anmeldungen für die fünf Wettbewerbe des Tages berichten – also noch mal rund 100 mehr als vor einem Jahr. Da können andere Veranstalter nur neidisch werden. Für die zehn Kilometer wies die Zieleinlaufliste des beliebten Volkslaufs schließlich 435 Namen auf – auch das ist ein Novum für den Lönspark. Dabei sorgte Lena Sommer (Hannover Athletics) bei den Frauen für einen hannoverschen Erfolg. Sie siegte in 37:44 Minuten und sammelte weitere Punkte für die „Laufpass“-Wertung. Der Streckenrekord geriet in diesem Fall aber nicht in Gefahr.

Das Frauen-Podium: Lena Sommer war schnellste Frau über die zwei Runden durch den Lönspark vor der Berlinerin Annette Müller (l.) und Kathrin Hoffmann (r.). Foto: Norbert Fettback

Aus Hannover schafften es noch weitere Starter aufs Treppchen. Steffen Lang (Hannover Athletics) wurde über fünf Kilometer Zweiter in 16:53 Minuten vor Jan Rutsch (Hannover Runners, 16:58), bei den Frauen mussten Marie Pröpsting (19:32) und Franziska Stasch (beide VfL Eintracht, 19:39) nur der U20-Jugendlichen Jana Schlüsche (FSV Sarstedt, 19:21) den Vortritt lassen. Über die zehn Kilometer belegte Kathrin Hoffmann (Hannover Athletics) Platz drei (42:42).

Dass es rund lief im Hermann-Löns-Park, dafür sorgten auch 65 Helfer des TKH. Von der Startnummernausgabe bis zum Kuchenbüfett: Trotz des Melderekords und des damit verbundenen großen Andrangs gab es nichts zu meckern.

Wenn das nicht schmeckt: Das Küchenbüfett beim TKH ist reich gedeckt. Foto: Norbert Fettback

 

 

Gesamtwertung Frauen

Platz Name Vorname Jhg Verein Punkte Läufe
1. Krause Mandy 1987 Post SV Lehrte 424 25
2. Lyda Hannelore 1958 LAC Langenhagen 389 27
3. Klippel-Westphal Kerstin 1970 Klippel Schuhmoden Burgwedel 319 26
4. Sommer Lena 1996 Hannover 260 11
5. Rothan Michaela 1965 VfL Woltorf 213 17
6. Marx Beate 1979 Dets RaceTeam 181 9
7. Koch Raphaela 1966 SG Bredenbeck 151 9
8. Czupryniak Justyna 1978 SC Polonia 122 7
9. Burlone Britta 1978 SG Misburg 122 14
10. Lehninger Jessica 1994 Hannover Athletics 121 7
11. Meier Sabine 1966 SG Bredenbeck 119 8
12. Lenhard Astrid 1978 Hannover 116 8
13. Ziball Nicole 1974 TK Hannover 109 14
14. Böhnke Joana 1985 Lehrer SV 103 12
15. Huwatscheck Lisa 1991 Hannover 96 101 5
16. Süßmann Andrea 1969 Garbsener SC 100 6
17. Meyer Kathrin 1980 Garbsener SC 99 7
18. Kolbe Elke 1974 Hannover 96 92 7
19. Strüber Beate 1969 LAC Langenhagen 92 11
20. Eickhoff Carmen 1976 92 13

Gesamtwertung Männer

Platz Name Vorname Jhg Verein Punkte Läufe
1. Solter Andreas 1983 LAC Langenhagen 659 32
2. Nickel Dirk 1971 304 24
3. Weldaj Haftom 1990 TSV Pattensen 292 13
4. Kühlke Frank 1973 Die Runner 292 21
5. Rodenbeck Jürgen 1969 TuS Wunstorf 284 17
6. Kleinholz-Mewes Jörg 1973 Dets RaceTeam 246 17
7. Kendelbacher Michael 1982 TSV Barsinghausen 165 8
8. Blume Thomas 1970 118 7
9. Gärtner Michael 1970 TV Lohnde 116 11
10. Jankowski Raoul 1991 Dets RaceTeam 114 6
11. Bantelmann Ansgar 1997 TuS Empelde 100 11
12. Vollkommer Guido 1966 Pattensen 92 6
13. Kehl Steve 1981 Hannover 96 Triathlon 90 5
14. Dörrie Robin 1969 Hannover 96 86 6
15. Bergmann Silas 1997 Hannover 96 Triathlon 85 4
16. Höltje Sebastian 1966 VfL Bückeburg 81 12
17. Maneval Andreas 1984 Fähren statt Frontex 80 7
18. Lang Steffen 1983 Hannover Athletics 79 5
19. Nowak Christoph 1992 Hannover Athletics 79 6
20. Schlamelcher Christian 1989 Dets RaceTeam 76 6

Die vollständigen Listen zum Herunterladen

37. HAZ-Ranking_11.11.2018

37. HAZ-Gesamtranking_11.11.2018

„Laufpass“: In Bothfeld geht es familiär zu

Das Rennen über die fünf Kilometer hat begonnen. Foto: Stephan Fabig

Am Ende sind sie sich doch noch über den Weg gelaufen. Zumindest für ein gemeinsames Foto an der Weitsprunggrube. An der Startlinie zum 11. Bothfelder Waldlauf stand von beiden allerdings nur Mandy Krause. Auf Gwendolyn Mewes, quasi gleich um die Ecke zu Hause, wartete bei ihrem „Heimrennen“ eine andere Aufgabe: die Betreuung ihrer Kinder Josefine, Florentine und Flynn. Die fünffache Gesamtsiegerin der „Laufpass“-Serie (2011, 2013, 2014, 2016 und 2017) hat sich in diesem Jahr rar gemacht bei Sportveranstaltungen, was nicht nur mit einer langwierigen Fußverletzung zu tun hat: Im März gibt es erneut Nachwuchs bei Familie Mewes, die dreifache Mutter sieht deshalb beim Wettkämpfen lieber zu und feuert ihren Nachwuchs an, wenn dieser wie am Sonntag laufend in Aktion ist.

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„Laufpass“: Hannoversche Dominanz in Ricklingen (mit Ranking Nr. 35 – Update)

Punkt zwölf geht’s los: Die Zehn-Kilometer-Läufer starten durch. Foto: Frey

Was wiegt mehr? Bei einer Laufveranstaltung gleich zweimal aufs Treppchen zu kommen oder einmal, dann aber ganz oben stehen? Beim Ricklinger Volkslauf hat Andreas Solter die erste Variante vorgezogen. Dem schnellen Mann vom LAC Langenhagen ist die „Laufpass“-Krone in diesem Jahr ohnehin nicht mehr streitig zu machen. Da machte es nichts aus, dass er im Rennen über die zehn Kilometer, in dem die Wertungspunkte vergeben wurden, nach 34:19 Minuten im Ziel war und „nur“ Dritter wurde. Eineinhalb Stunden zuvor war Solter bereits über fünf Kilometer angetreten – hier fehlten ihm drei Sekunden zu Platz eins, den sich Christian Schlamelcher (Det’s Raceteam) in 17:12 Minuten holte.

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Neue Sportbücher

Große Momente auf Hawaii

Wer sonst wäre dafür infrage gekommen wenn nicht Bob Babbitt? Der Ironman, längst legendäre Wettkampfserie der besonders ausdauernden und leidensfähigen Triathleten, ist 40 geworden. Da ist es wieder mal Zeit, in den Annalen zu stöbern – und Babbitt war schließlich einer der Ersten. Nicht auf dem Podium, aber bei der Teilnahme, ob nun als Aktiver oder Dauergast an der Strecke. 1980 gab der Amerikaner auf Hawaii sein Debüt im Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, zwei Jahre nach der Ironman-Premiere. Wie es damals losging, das hat er schon mehrfach in Buchform beschrieben. Nun die neue Auflage zum Vierzigsten.

Sie ist sehr schön bebildert. Das vor allem ist die Stärke dieses Buches. Die Texte sind weniger aufregend, was wohl auch daran liegt, dass vieles nach 40 Jahren nicht neu ist. Zumal der Langdistanz-Triathlon hierzulande, nicht zuletzt dank der Erfolge von Athleten wie Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange, in den vergangenen Jahren an öffentlicher Aufmerksamkeit und Resonanz gewonnen hat.

Mit Frodeno und Lange, der sich jüngst gerade seinen zweiten WM-Titel schnappte, hat Babbitt auch Interviews geführt. Beim Lesen werden große Momente dieses Sports wieder wach. Das gilt auch für die „40 spektakulären Augenblicke“ aus vier Jahrzehnten. In Zeitraffermanier erinnert Babbitt darin an Lyn Lemaire, die 1979 als überhaupt erste Frau beim Ironman das Ziel erreichte. Oder an Julie Moss, die 1982 – zuvor lange in Führung liegend – in Maikäfermanier krabbelnd den zweiten Platz rettete. Auch Thomas Hellriegel wird die gebotete Ehre zuteil: Als erster Deutscher triumphierte er 1997 auf Big Island, vorausgegangen waren zwei zweite Plätze.

In der mehrseitigen Ergebnisstatistik findet sich auch der Name von Sandra Wallenhorst aus Hannover, die 2008 drittbeste Frau war. Ein anderer aus Hannover springt einen regelrecht an: Christian Haupt, Amateur-Weltmeister 2016 und 2017, vollführt auf dem Foto auf Seite 110 einen unnachahmlichen Freudensatz. Wer nach Tipps sucht, um es vielleicht einmal ähnlich weit zu bringen: Auch der wird bei Babbitt fündig.

Bob Babbitt: „Ironman. Alles über den härtesten Wettkampf der Welt.“. Delius Klasing Verlag. 192 Seiten, 34,90 Euro.

Der Knigge für Pedalisten

Wir, die wir uns als Läufer fühlen, wissen in den meisten Fällen, was zu tun und was zu unterlassen ist, wenn wir unseren Sport ausüben. Sind wir etwa beim Training in der Gruppe unterwegs, dann sollte der Langsamste das Tempo vorgeben. Stehen wir am Start zum Marathon, dann sollte man sich doch bitte schön in den Block begeben, den man aufgrund seiner nachgewiesenen Fähigkeiten zugewiesen bekommen hat – und sich nicht vordrängeln, um vielleicht ein paar Sekunden zu schinden. Und was auch niemand mag: Jemand, der die ganze Zeit im Schlepptau gelaufen ist, setzt auf der Zielgeraden zum Überholen an. Da können die anderen richtig sauer werden. Zu Recht.

Doch nicht nur Läufer haben ihren Knigge als Leitfaden fürs richtige Verhalten. Das gilt auch für Radsportler. Ihnen liegt das, was es zu beherzigen gilt, wenn sie in den Sattel steigen, inzwischen auch schwarz auf weiß vor. „Die Regeln“ heißt dieses herrliche Buch mit dem Untertitel „Kodex für Radsportjünger“. Darin zu blättern lohnt sich auch für Läufer, die gelegentlich aufs Rad umsteigen. Ansonsten könnte man schnell ins Fettnäpfchen treten und sich böse Blicke einfangen.

Aufgelistet sind 95 Regeln oder – wie es im Vorwort so schön heißt – „einfache Wahrheiten des Radsports“. Sie sind vergnüglich zu lesen und mit viel Herzblut und Sachverstand niedergeschrieben worden von fünf sogenannten Velominati, selbsternannten „Radsportjüngern höchsten Ranges“, für die der Tritt in die Pedale weit mehr ist als nur ein Zeitvertreib oder ein Mittel, um von A nach B zu kommen. Damit verbinden sie pure Leidenschaft. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der Straßenradsport seine eigene Kultur hat, die es zu bewahren gilt.

So manches aus dem Regelwerk, das thematisch in fünf Kapitel geordnet wurde, ist auch Läufer nicht unbekannt – oder sollte ihnen zur Nachahmung empfohlen werden. Etwa die Regel 12: „Die korrekte Anzahl Räder, die man besitzen sollte, lautet N+1, wobei N für die Zahl der derzeit im Besitz befindlichen Räder steht.“ Räder durch Laufschuhe ersetzen, und schon passt es. Oder Regel 58: „Unterstütze deinen Radladen vor Ort.“ Von wegen Einkauf per Internet! Oder die 71: „Trainiere vernünftig.“ Was auch heißen soll: Man muss nicht nur schnell sein, um erfolgreich zu sein.

Über allem aber thront die Regel 5: „Beiss verflucht noch mal auf die Zähne.“ Da gibt es nicht viel zu erklären.

Velominati: „Die Regeln. Kodex für Radsportjünger“. Covadonga Verlag Bielefeld. 312 Seiten, 14,80 Euro.

Von einem, der nicht mehr abgehängt werden möchte

Lernen mit Rudi: Das ist der rote Faden, der sich durch das Buch „Rennrad-Training“ zieht. Mit Rudi ist nicht etwa Rudi Altig gemeint, eine legendäre Figur dieser Sportart. Rudi ist eine fiktive Person und wie sein berühmter Namensvetter ein vom Radfahren Besessener. Mit dem kleinen Unterschied, dass er ein „Normalo“ ist, der sich drei-, viermal in der Woche in den Sattel schwingt und es im Jahr bis auf 8000 Kilometer bringt. Auf seiner Hausrunde fährt er seinen Freunden aber zu oft hinterher. Das wurmt ihn, und das soll sich ändern.

Wie das geschehen kann, zeigen Tim Böhme und Jochen Haar in ihrem praxisnahen Ratgeber auf. In zehn Kapiteln gibt das Duo informative, verständlich formulierte Tipps, die auch beim Laien gut ankommen dürften. Der Bogen spannt sich vom Ausdauer- und Bergtraining über die richtige Sitzposition bis zu Ernährungsfragen und der Regeneration. Und wer erwägt, sich mal bei einem Alpencross zu versuchen, der wird auch bei diesem Thema fündig. Eine runde Sache für all diejenigen, die sich immer einen runden Tritt wünschen, was eigentlich aber gar nicht hinzubekommen ist. Effektiv soll er sein – auch das lernen wir …

Tim Böhme/Jochen Haar: „Rennrad-Training. Topfit für Hausrunde, Alpencorss, Radmarathon“. Bruckmann-Verlag. 192 Seiten, 20 Euro.

Alles über Sportmassage

Und was, wenn es hier und da zwickt? Wenn die Wade nach dem Laufen oder Radfahren schmerzt? Oder es schon körperliche Beschwerden gibt, ehe es überhaupt losgeht? Eine Massage kann Wunder wirken, heißt es dann oft. Nur verstehen Laien in der Regel nicht allzu viel davon. Weder von der praktischen Ausführung, was normalerweise auch Sache der Therapeuten sein sollte, noch von den Auswirkungen auf den Körper. Josep Marmol und Artur Jacomet haben nun einen Leitfaden vorgelegt, der viele Facetten der Sportmassage erklärt. Als Nachschlagewerk dürften auch Freizeitsportler aus dem derzeit „umfangreichsten Werk auf diesem Gebiet“, wie der Verlag schreibt, Nutzen ziehen. Eine gute Idee: Über eine App lassen sich 18 sogenannte Video-Tutorials einsehen, was dem Buch einen wirklichen Mehrwert gibt.

Josep Marmol/Artur Jacomet: „Anatomie & Massage“. Meyer & Meyer Verlag. 160 Seiten, 28 Euro.

„Laufpass“: Der See muss warten

Los geht’s: Andreas Solter (r.) hat nach dem Start zu den drei Runden um den See schon die Führung übernommen. Foto: Frey

Wie kann man bei solchem Wetter nur auf die Idee kommen, Laufklamotten anzuziehen statt Badesachen? Bis zu 28 Grad Celsius zeigt das Thermometer am Clubhaus bei azurblauem Nachmittagshimmel. Und das Mitte Oktober! Der Altwarmbüchener See gleich nebenan lockt zum erfrischenden Sprung ins Nasse. Von wegen: 251 Läufer und Walker lassen das Gewässer links liegen und schwitzen auf dem von ersten Laub des Herbstes übersäten Rundweg um die Wette. Und haben dabei immer wieder den See im Blick – welch herrliche Alternative. Doch Läufer lassen sich in der Regel nicht beirren. Später vielleicht.

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„Laufpass“: Runde Sache in Benthe

Auf geht‘s: Der Halbmarathon ist gestartet. Foto: Norbert Fettback

Feiertagsstimmung in Benthe: Auch die 17. Auflage des Laufes über und um den hannoverschen Hausberg vor den Toren der Landeshauptstadt hatte das, was Sportler mögen: ansehnliche Starterfelder, einen perfekt organisierter Ablauf bis hin zum Urkundendruck an Ort und Stelle, viele freundliche und kompetente Helfer. Das Gesamtpaket, das der VSV Benthe am Tag der Deutschen Einheit zusammen mit seinen Unterstützern von Feuerwehr und Sanitätern rund um den Sportplatz Am Hammfeld geschnürt hatte, kam bestens an. Kein Wunder, dass Benthe über die Jahre so zu einem beliebten Treffpunkt der Läuferszene geworden ist – und immer wieder Neue dazustoßen. Diesmal waren 524 große und kleine Sportler am Start, eine beachtliche Resonanz.

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„Laufpass“: Jankowski hoch 3

Schon nach dem Startschuss ganz vorn: Zehn-Kilometer-Sieger Christof Jankowski. Foto: Fabig

Es lief rund. Auch bei der 17. Auflage. Mit Rahmenbedingungen, wie man sie sich nur wünschen kann bei einem Volkslauf im Grünen mit dem Mittellandkanal im Hintergrund als optischen Blickfang: Sonne, 15 Grad, kaum Wind – und wieder mal eine nahezu perfekte Organisation. „Es hat alles gut funktioniert“, so lautete das Fazit von Uwe Jankowski, dem 1. Vorsitzenden des TuS Vinnhorst. „Seit vielen Jahren haben wir ein eingespieltes Team, das sich um alles kümmert.“ So wie am Sonnabend – ob bei der Startnummernausgabe, den Streckenposten im Wald oder bei der Verpflegung der Läufer.

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Sieg nach langer Leidenszeit

 

Ein Comeback zum Strahlen: Christof Jankowski (l.) und Robin Dörrie nach dem Halbmarathon in Otterndorf.

Manches braucht einen langen Anlauf. Das kann Jahre dauern, und immer wieder gehören in solchen Fällen Rückschläge und Selbstzweifel zu den Begleitern. Was insgeheim auch die Grundsatzfrage aufwirft, ob man es besser nicht ganz sein lassen sollte. Wie bei Christof Jankowski (38) und Robin Dörrie (49). Um beide war es lange still, anhaltendes Verletzungspech und zum Teil unerklärliche Beschwerden hatten ihnen zugesetzt. Nun haben sich die beiden Läufer, die für Hannover 96 starten, zurückgemeldet. Und wie! Bei den Landesmeisterschaften im Halbmarathon in Otterndorf holten sie sich jeweils den Titel in ihrer Altersklasse. Mit Zeiten, die sie selbst überraschten. Jankowski fehlten mit 1:14:17 Stunden lediglich vier Sekunden zu Rang drei in der Gesamtwertung, Dörrie (1:16:34) lag als 13. des Meisterschaftsfeldes nicht weit zurück.

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Neue Sportbücher

Die „Bekloppte“ aus dem Schwarzwald

In Freiburg, ihrem Zuhause, hat man sie schon als „die Bekloppte, die durch die Wüste rennt“, bezeichnet. Geärgert hat sich Brigid Wefelnberg darüber nicht unbedingt. Irgendwie stimmt es ja, was ihr verbal vor den Kopf geknallt wurde. Man muss schon ein wenig verrückt sein, um das zu tun, was für die Mittfünfzigerin seit 2005 einen wesentlichen Teil ihres Lebens ausmacht. Von wegen „nur“ Marathon- oder Ultralauf: Für sie fängt der eigentliche Sport erst bei Strecken von mehr als 250 Kilometern an. Ganz schön extrem!

Was mit der SMS eines Freundes begann, sich mit 42 doch mal Gedanken über einen Start beim Marathon des Sables zu machen, hat Wefelnberg seitdem nicht mehr losgelassen. Die alleinerziehenden Mutter mit Vollzeitjob, die im Schwarzwald wandern ging, wurde zu einer Läuferin der speziellen Art. Viermal im Jahr startet sie durch und sammelt Extremläufe wie andere rare Briefmarken. Mehr als 50, die sie auf alle Kontinente geführt haben, sind es inzwischen. Zwei davon rückt sie in ihrem Buch „The Track – Auf Unwegen zur Extremläuferin“ in den Blickpunkt: den TransPyrenea und The Track. Der eine umfasst 870 Kilometer und ist in maximal 16 Tagen zu absolvieren, der andere mit 520 Kilometern und neun Etappen durch das australische Outback nicht weniger herausfordernd.

Muss man das haben? Kann man das überhaupt schaffen? Wefelnbergs Begeisterung für ihr extensives Hobby kennt kaum Grenzen, mit ihrer Selbstmotivation versetzt sie auch in kritischen Momenten Berge, und ihre Willenskraft ist beispielgebend. Den letzten, 130 Kilometer langen und nonstop zu bewältigenden Abschnitt ihrer Outback-Tour schaffte sie trotz einer schmerzhaften Schienbeinentzündung in gut 25 Stunden. Der Zieleinlauf am Ayers Rock sei alle Strapazen wert gewesen, meint sie – Wassermangel, Tütenessen, Fliegenplage, nächtliche Kälte im Zelt, Sturm und die stets wiederkehrende Angst, sich in der Wildnis verirren. Zwischendurch wird so abends im Camp aus einer Dose mit Ravioli eine heiß herbeigesehnte Delikatesse.

Schweren Herzen weiß Wefelnberg aber auch, sich selbst Grenzen zu setzen: Den TransPyrenea 2016 brach sie aufgrund eines fiebrigen Virusinfekts ab. „Meine schwierigste Entscheidung bei diesem Wettkampf“, sagt sie. Von Trainingsplänen hält Wefelnberg im Übrigen nicht viel. Sie läuft fast täglich von zu Hause zum Büro, eben mal so an die 20 Kilometer. Mitunter heißt es, sich besonders zu sputen, um vor einer Besprechung noch die Laufschuhe gegen Sandaletten tauschen zu können. Das ist nichts gegen das, was sie andernorts erwartet: ob Wüste oder Dschungel, Himalaja oder Polarkreis. „Erst wenn wir es wagen, die Komfortzone zu verlassen und die Distanzen zu erweitern, entdecken wir das Wunder im Gleichschritt von Körper, Geist und Seele“, schreibt sie. Ein Satz für das Poesiealbum eines jeden Extremsportlers.

Brigid Wefelnberg: „The Track – Auf Umwegen zur Extremläuferin“. Piper Verlag. 272 Seiten, 16 Euro.

Wenn Torturen Freude machen

Was unterscheidet Ultraläufer und Marathonis? Glaubt man Verena Liebers, dann trennen sich die Welten in diesem Fall nicht erst bei 42,195 Kilometern. Dahinter steckt mehr: „Das eigentlich Wichtige bei den Ultras ist nicht die Streckenlänge, sondern die Idee“, wie sie meint. Etwa diese: „Einfach loslaufen, Tagesform prüfen und dann weiter entscheiden.“ Liebers, die keine Profisportlerin, sondern der Kategorie ambitionierte Freizeitsportlerin zuzuordnen ist, ist selbst von dieser Idee besessen. Mit 50 hat sie ihren ersten 100-Kilometer-Lauf absolviert, zwei weitere folgten.

Darüber hat die Mittfünfzigerin jetzt ein Buch herausgebracht, das mit weiteren Geschichten und Anekdoten rund ums Laufen und um den Triathlon, ihre andere sportliche Leidenschaft, angereichert ist. Dazu gehört die lesenswerte Episode, wie sie Christian Hottas bei seinem 2000. Marathon 2013 in Hannover begleitete und dabei „magische Momente“ erlebte. Nicht bierernst geschrieben ist das Ganze, sondern auf amüsante Weise und auch mit einem Schuss Selbstironie. Siehe die Begründung dafür, dass Liebers sich bei ihrem vierten Start beim Remscheider Röntgenlauf für die 63-Kilometer-Distanz entschied. Sie hätte es auch bei einem Marathon belassen können, dann allerdings hätte sie die Differenz bis zum eigentlichen Ziel auf vier Rädern beschließen müssen. Doch sie „fahre nicht besonders gerne Bus“. Und gut stillsitzen, das habe sie auch noch nie gekonnt.

Nur so kann man wohl auch eine Herausforderung meistern wie die „Tortour de Ruhr“, bei der die 100 Kilometer noch das Minimum sind. Den weiten Weg zu Fuß von Hagen nach Duisburg hat sie insgesamt dreimal zurückgelegt, jedes Mal war es für sie ein grandioses Erlebnis. Da bleibt man eben auch mal  für ein Foto stehen oder um mit den Augen die Schönheiten der Natur aufzusaugen. Für Marathonis, die Angst haben, dass ihnen die Zeit davonrennt, ist das nahezu unvorstellbar. „Was am meisten für den Ultralauf spricht“, schreibt Liebers, „ist der mediative Effekt, die Entspannung.“ Gut zwölf Stunden war sie bei ihren Hundertern jeweils unterwegs, eine respektable Leistung auch angesichts der nicht immer optimalen Vorbereitung. Ihre Botschaft: „Laufen ist eine wunderbare Möglichkeit, die Seele baumeln zu lassen – aber natürlich besteht dabei auch die Gefahr, sich zu stoßen: am eigenen Ehrgeiz, an enttäuschten Plänen oder verschollenen Trainingspartnern.“

Verena Liebers: „Vom Abenteuer 100 Kilometer zu laufen“. Klartext Verlag. 224 Seiten, 14,95 Euro. 

Laufen als Lebenselixier

Noch so eine starke Frau! Man kann es nicht wirklich nachvollziehen, was Sandra Otto vollbracht hat, denn für die meisten läge Derartiges außerhalb jeglicher Vorstellung. Da erfährt die 34-Jährige völlig unerwartet, dass sie an Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium erkrankt ist. Es ist der Moment, in dem sie die „Sinnlosigkeit meines Dasein“ spürt, wie sie sagt. Doch abfinden will sich Otto damit nicht. Nur nicht aufgeben! Sie kämpft mit allem, was sie hat. Das Laufen, vorher schon ihr liebstes Hobby, wird ihr Anker. Zum Quell von Kraft, Lebensmut und Zähigkeit.

Wenige Tage nach der niederschmetternden Diagnose und kurz vor dem ersten Klinikaufenthalt tritt sie zusammen mit ihrem Mann zu einem Staffelmarathon an der Ostsee an. Eine irre Gefühlswelt: Otto spricht da noch von ihrem „vermeintlich letzten Zieleinlauf“. Doch sie nimmt den Kampf gegen das Schicksal an und steht ihn durch, trotz aller Rückschläge. Laufen wird ihr Lebenselixier, auch wenn sie es mitunter übertreibt. Sie lässt sich auch von der Chemotherapie nicht bremsen. Rund ein halbes Jahr nachdem sie von ihrer Erkrankung erfuhr, ist sie beim Halbmarathon in Leipzig nach zwei Stunden im Ziel.

Achim Achilles hat das Vorwort zu Ottos Buch „Mein Lauf ins Leben“ verfasst. Beim Lesen habe er immer wieder weinen müssen, bekennt der namhafte Autor und Hobbyläufer. Dessen muss er sich nicht schämen. Was Otto schreibt, das geht unter die Haut. Als sie meint, die Krankheit besiegt zu haben, gibt es die furchtbare Nachricht: Der Krebs ist zurück. Auch daran zerbricht Otto nicht. Sie hat zusätzlich zu dem, was ihr die Ärzte verordnen, ihre spezielle Medizin. „Das Laufen zeigt mir jeden Tag, wofür sich mein Aufstehen und mein Leben lohnt.“

Sandra Otto: „Mein Lauf ins Leben“. Meyer & Meyer Verlag. 180 Seiten, 14,95 Euro.

Auf Spaßsuche in der Eilenriede

Die Hälfte ist geschafft: Halbmarathonläufer gehen auf die zweite Runde. Foto: Norbert Fettback

Nein, hier gibt es keinen „normalen“ Rennbericht zu lesen. Das überlassen wir mal den Kollegen von der Zeitung, die auf Namen, Zeiten und Platzierungen erpicht sind. Und da gibt es einiges aufzuschreiben nach dem 15. Eilenriederennen, das am letzten Sonntag im August Treffpunkt für fast 600 Läufer war. Wetter perfekt, Stimmung bestens, eine klasse Veranstaltung – so der Tenor danach. Auch ein deutscher Meister war dabei und anschließend mit sich und den Gegebenheiten sehr zufrieden. Nach seinem Titelgewinn im Halbmarathon Anfang April am Neuen Rathaus darf sich Karsten Meier jetzt, zumindest inoffiziell, auch Eilenriede-Meister nennen.

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